Interessant. War mir in der Form nicht bewusst. Wobei mir mein Buchgefühl sagt, dass es vermutlich recht einfach ist, sich der Arbeit in einem deutschen Gefängnis zu entziehen. (Null Belege, einfach Spekulation aufgrund dessen, wie dieser Staat so drauf ist)
Einer Arbeit nach zu gehen gehört zu den Verpflichtungen eines Insassen. Es gibt natürlich verschiedene Bereiche, in denen man arbeiten kann, aber grob lässt es sich in zwei Bereiche unterscheiden: produktive Erwerbsarbeit und Dienstleistung.
Ersteres meint, dass du eben genau dem nachgehst. Deutsche Gefängnisse sind auch Produktionsstätten. Dienstleistung bezieht sich auf Arbeiten, die der Gefängnisgemeinschaft dient, z.B. in der Gefängnis eigenen Bibliothek oder in der Gefängnis-Küche arbeiten.
Für alle Arbeiten bezieht der Gefangene einen regulären Stundenlohn. Davon wird ein Teil abgezogen, der in die Steuerkasse wandert (woraus theoretisch die Unterbringung finanziert wird), ein Teil geht quasi auf ein Sparbuch, dessen Guthaben der Gefangene bei Entlassung ausgezahlt bekommt und einen Teil davon bekommt der Gefangen, um sich davon Dinge während seines Aufenthalts kaufen zu können (Telefonkarten, Süßigkeiten, Zeitschriften, etc).
Der Stundenlohn liegt aber weit, weit unter dem, der für vergleichbare Arbeit außerhalb des Gefängnisses, also in der freien Wirtschaft bezahlt wird. Dafür bekommt die BRD auch regelmäßig Ab- bzw. Ermahnungen von der EU und der UN.
Hintergrund ist zweierlei: Der niedrige Stundenlohn für den Gefangenen ist einerseits aus wirtschaftlicher Sicht problematisch, weil die Gefahr des Lohndumpings besteht und andererseits soll ein freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat nicht Gefahr laufen der Versuchung anheim zu fallen, Menschen schneller und/oder länger wegzusperren, um so günstige Arbeitskräfte zu generieren. Das hält sich in DE verhältnismäßig aber noch alles im Rahmen, gerade im Vergleich zu nicht-europäischen Ländern.
Die Problematik in DE liegt auch ganz wo anders, nämlich dass es in den meisten Gefängnissen gar nicht genügend Arbeit für alle Insassen gibt. Denn mit Arbeiten geht ja nicht nur ein Lohnerwerb einher, sondern er wirkt sich generell auf die Beurteilung eines Gefangenen aus. Also arbeitet überhaupt, arbeitet er gut, ist er zuverlässig, etc. Denn auch bei der Arbeit spielt der Gedanke der Resozialisierung eine Rolle.
Es gibt natürlich auch Möglichkeiten, sich von einer Arbeit befreien zu lassen. Arbeitsrecht gilt durchaus auch für Gefangene. Nimm' z.B. Reiner Winkler. Der wird ziemlich sicher dank seines körperlichen Zustands von den meisten körperlichen Arbeiten befreit werden, würde der einfahren. Den kannst du einfach nicht 8 Stunden ans Band stellen, behaupte ich einfach mal. Wenn ein Arzt attestiert, dass ein Gefangener körperlich oder psychisch nicht in der Lage ist, kann er nicht dazu gezwungen werden.
Wie es aber in der Realität aussieht weiß ich nicht. Da verlässliche, halbwegs objektive Zahlen zu finden ist etwas schwierig. Ob man eher dazu neigt, jemanden von Arbeit frei zu attestieren oder die Regeln großzügiger auslegt, um Gefangene leichter einer Arbeit zu zuführen, kann ich auch nicht sagen. Da gibt es von Ex-Gefangenen Aussagen in beiderlei Richtungen.